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Marktspiegel


Beinahe müßte man sagen »ohne Markt kein Spiegel«, denn der Bestand an Volvos der 100er Baureihe ist in Deutschland sehr dünn gesäht, entsprechend wenige werden gehandelt. Erschwerend kommt hinzu, dass der 164 kein direktes Vorgängermodell hatte, dessen Marktstellung man übertragen könnte. Also her mit der Glaskugel …

Auch beim Oldiekauf sollte man auf den Stern achten.
Auf den Polarstern.

Die vergangenen Jahre

Bis Mitte der Achtziger Jahre wurden praktisch alle 164er und 140er ausschließlich als Gebrauchtwagen verbucht und und ihr Stellenwert in der Volvo-Liebhaber-Szene war der eines gern gesehenen Overdrive- und Ledersitzspenders. Mit manchem verstorbenen 140er konnte wieder ein Amazon am Leben gehalten werden. Die lange Lebensdauer und lange Bauzeit der eng verwandten 240er Serie (bis 1993) sorgte dafür, dass ein alter 140 im Straßenbild noch nicht besonders auffiel. Gegen Ende der Achtziger war es dann aber langsam so weit, dass die Volvo-Welt merkte, was sie speziell an einem frühen 164er hatte. Langsam war er reif genug, um nicht mehr trotz, sondern wegen seines Alters gemocht zu werden. Einen Reihensechszylinder vermißte man im aktuellen Volvo-Programm sehr. Als 1988 unser Club gegründet wurde und die Baureihe ab dieser Zeit auch in den Classic Data Preisnotierungen notiert wurde war die Sache aktenkundig. Der 164 ist ein Liebhaberauto. Bis Mitte der Neunziger Jahre stiegen die Preise für wirklich gute Exemplare deutlich an. Er war auf dem besten Weg zum Kult-Auto. So schrieb die damalige Zeitschrift »Volvo-Magazin« (Heft 2/95, S. 55) unter der Überschrift »Volvo 164 boomt«:

»Die low-price-Zeit, in der sogar gute 164er für'n Appel und'n Ei den Besitzer wechselten, ist vorbei – er ist entdeckt worden. [...] Aus Hamburg konnten wir erfahren, dass dieses Auto in der Elbmetropole neben Mini und Amazone echt "in" ist. Vielleicht, weil der Aristokrat in der Szene gerne mit einem teuren Daimler oder Rover verwechselt wird und man dann einen draufgeben darf: "schwedische Oberklasse der Endsechziger, drei Liter, tierisch tiefstapelnd und äußerst selten – den muss man einfach gefahren haben.«

Leider folgten kurz darauf zwei Gesetze, die den 164ern und 140ern schwer zu schaffen machten und den Bestand in Deutschland jährlich um etwa ein Drittel reduzierten! Zum einen konnte man in den Niederlanden alte Autos praktisch steuerfrei fahren und auf LPG (Flüssiggas) umrüsten. Ganz besonders interessiert war man an alten Volvo 164ern, da Hubraum keine Rolle spielte und es in Deutschland gute Exemplare und viele verkaufswillige Besitzer gab. Zum anderen kam in Deutschland 1997 die »Stinkersteuer« und geplante Katalysator-Initiativen konnten nicht verwirklicht werden. Das war das Aus für viele 164, die als Alltagsfahrzeug bewegt wurden. Die drei Liter Hubraum sorgten im Bundesfinanzministerium für verchromte Kontoauszüge. Besonders hart traf es den Jahrgang 1972, den man bei der geplanten 25-Jahre-Regelung sicher im Hafen des neuen H-Kennzeichens glaubte, das aber plötzlich erst ab 30 Jahren galt. So gingen sehr viele Autos sprichwörtlich den Bach runter. Dieser Bach heißt Rhein und endet bekanntlich in den Niederlanden. Den 140er Volvos erging es ähnlich wie den 164ern. Die Unterhaltskosten schlugen im Alltag nicht ganz so ins Kontor, dafür machte es ihm seine schlichtere Erscheinung schwerer, als Kult-Youngtimer entdeckt zu werden.

Ich wurde eine Dose.

Die aktuelle Marktsituation

Die Wogen der letzten Jahre haben sich mittlerweile etwas geglättet, da mittlerweile alle Exemplare das H-Kennzeichen-Alter von mindestens 30 Jahren erreicht haben. Der Bestand an zugelassenen 100er Volvos ist in Deutschland sehr gering: 108 164er und 429 140er (Stand 1.1.2003). Es muss aber noch eine Dunkelziffer zugerechnet werden, da einige Wagen mit 07er-Kennzeichen laufen, die von der Zulassungsstatistik nicht erfaßt werden – gleiches gilt für vereinzelte Importe aus Skandinavien mit genullten Typschlüsselnummern. Insgesamt finden bei 164ern wenig Verkäufe statt, jedoch geringfügig mehr, als noch vor einigen Jahren.

Und im Ausland?

Aus den Niederlanden gibt es Interesse an deutschen 164er und 140er Volvos, jedoch nur zu geringen Preisen und in den letzter Zeit deutlich nachlassend. Das Preisniveau in den Niederlanden ist wesentlich höher als bei uns. Die Lage läßt sich jedoch nicht direkt vergleichen, da in den dortigen Preisen immer die Umrüstung auf eine Gasanlage mitspielt. Ein einmal in die Niederlande verkaufter Volvo ist für den deutschen Markt schlagartig uninteressant – erstens zu teuer und zweitens sind Flüssiggasanlagen hierzulande nur schwierig zuzulassen. Nennenswerte 164er und 140er Bestände gibt es darüberhinaus noch in der Schweiz, in Österreich, Großbritanniern, den USA und natürlich in Skandinavien, wo sowohl die Preise als auch der Erhaltungszustand unter deutschem Niveau liegen, da sich der schwedische TÜV auch von Knäckebrot-Schwellern und durchsichtigen Radläufen kaum beeindrucken läßt.

Preise für 164er und 140er Volvos

Die Richtschnur für richtig gute Fahrzeuge liegt bei 140er Limousinen bei rund 5.500 Euro, bei 145er Kombis bei gut 6.500 Euro und bei 164ern bei etwa 7.000 Euro. Schlachtfahrzeuge sind für einige hundert Euro zu haben, fahrbereite ab etwa 1.500 Euro. Die tatsächlich erzielbaren Preise richten sich wie üblich nach Zustand, Modelljahr, Ausstattung und Originalität. Von verschiedenen Bewertungssystemen haben sich die Zustandsnoten der »Classic Data« Gutachterkette durchgesetzt. Eine Übersicht über aktuelle Marktwerte gibt es z.B. bei classic analytics. Kennzeichnend für alle 100er Volvos ist aber, dass die wenigsten Fahrzeuge so rostfrei und original sind wie die Zustandsnote zwei es verlangt. Die meisten Wagen dürften mit Zustandsnoten rund um "befriedigend" einige tausend Euros weniger wert sein.

Beliebtes Original-Zubehör:
Rundinstrumente für die Modelle bis 1972

Einfluß Ausstattung/Zubehör

eindeutig wertsteigernd:
• orig. Klimaanlage (140; 164 bes. bis '72)
• Overdrivegetriebe
• orig. Schiebedach

kaum wertsteigernd:
• orig. Rundinstrumente
• Bahco-Standheizung

nicht wertsteigernd:
• Zubehör, das nicht funktioniert
• markenfremdes Lenkrad
• Automatikgetriebe
• nicht originale Felgen und Reifen
• Metallic-Lack

wertmindernd:
• Ein-/Umbauten aus der 200er Serie
Glasdach

Abschließend bleibt festzuhalten, dass der Zustand des Bleches entscheidend für den Wert des Wagens ist. Arbeiten an der Technik sind einfacher und deutlich günstiger zu absolvieren als Investitionen ins Blech. Das in der Anschaffung teurere Auto ist also langfristig die günstigere Wahl!

Ein Blick in die Zukunft

Es gibt andere Autos vom Schlage eines Volvo 164, für die jedes H-Kennzeichen zu spät kommt. Die Alfa Romeo 2600 Berlina und Triumph 2000/2500/2.5 Limousinen zum Beispiel sind in Deutschland praktisch ausgestorben bevor sie genug Liebhaber finden konnten. Die Volvo 164 und 140 hat es politisch hart getroffen, als sie begannen Kult-Autos zu werden. Waren Anfang der 1990er Jahre noch die späteren Modelle ab 1973 und zu Beginn dieses Jahrzehnts eher die früheren Modelle anzutreffen, so scheint sich der Bestand guter Fahrzeuge der verschiedenen Modelljahre anzugleichen. Der Youngtimer-Boom ist leicht zu spüren, hinterlässt aber noch lange keine solchen Spuren wie z.B. beim VW T2 oder Fiat 500. Für die weitere Zukunft stehen die Signale daher auch auf: stabiles vergleichsweise niedriges Preisniveau. Insgesamt sind wenige aber genügend Fahrzeuge übriggeblieben um das Ersatzteilgeschäft zu ernähren. Erste Nachfertigungsaktionen (z. B. Tankgeber) sind bereits angelaufen, das macht Hoffnung. Spätestens hier muss man global denken: Die Ersatzteil-Nachfrage aus Schweden und den Niederlanden wird in Zunkunft vielleicht für weitere Nachfertigungsaktionen sorgen, selbst wenn wir in Deutschland mit den paar hundert Exemplaren zu wenige sind.


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www.164-140club.de :: Kontakt :: 31.07.2014